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Christine Charlotte Riedl (geb. Schmid am 31. Mai 1801 in Oßweil bei Ludwigsburg; gest. 9. September 1873 in Lindau (Bodensee)[1]; auch unter dem Verlagspseudonym: Tante Betty zitiert) war eine bekannte süddeutsche Kochbuchautorin und gehörte zu den ersten Autorinnen von Kochbüchern für Kinder im 19. Jahrhundert.

Leben Bearbeiten

Christine Charlotte war die Tochter des Bauern Jakob Philipp Schmid und seiner Frau Sophie Menner. Zunächst stand sie im Gasthof Zur Goldenen Traube in Augsburg im Dienst. Dort arbeitete sie (wahrscheinlich schließlich) als Köchin.

Am 27. Oktober 1831 heiratete sie in Lindau den 51jährigen Witwer Georg Walter Schlatter, den Gastwirt im Zum Goldenen Lamm in Lindau, später nannte er sich Cafetier. Das Paar hatte fünf Kinder, wovon nur zwei die Kindheit überlebten: Sophie und Franz Ludwig. Georg Walter Schlatter starb 1842.

Zwei Jahre später, im Oktober 1844, heiratete Christine Charlotte Riedl den aus Reutin stammenden Gutsbesitzer Clemens Wolfgang Riedl, mit dem sie die Gastwirtschaft zunächst weiter führte. In Lindau erschien dann von 1851 bis 1852 in sieben Lieferungen das Lindauer Kochbuch, mit dem sie weit über die Stadt hinaus bekannt wurde.


Von 1853 bis circa 1865 soll Christine Charlotte Riedl mit ihrem Ehemann die Gaststätte des ersten 1853 eröffneten Lindauer Bahnhofs geführt haben.

Während dieser Zeit erschien 1854 Die kleine Köchin, ein Kochbuch für Kinder.


Im selben Jahr war auch das Kochbüchlein für die Puppenküche von Julie Bimbach bei dem Nürnberger Verleger Christian Adolf Braun, dann bei Jean Braun, bekannt als Raw’sche Verlags-Buchhandlung, veröffentlicht worden. Es ist unklar, welches der beiden Bücher für sich beanspruchen kann, das erste Puppenkochbuch in Deutschland gewesen zu sein. Das Puppenkochbuch von Henriette Davidis kam erst zwei Jahre später heraus: 1856.

Werke Bearbeiten

Lindauer Kochbuch Bearbeiten

Das Lindauer Kochbuch, 1851–52 bei Stettner in Lindau erschienen, enthielt 1602 Rezepte für die bürgerliche und feinere Küche. Die Autorin wurde als „Christine Charlotte Riedel, Gastwirthin, früher Köchin in einigen der ersten Hotels und Bäder“ vorgestellt. Das Kochbuch war in Süddeutschland weit verbreitet und erlebte bis 1925 fünfzehn Auflagen. Nach 1979 wurde es mehrfach nachgedruckt.

Die kleine Köchin Bearbeiten

Fast noch berühmter als das „große“ Kochbuch ist jedoch das Puppenkochbuch. Es erschien zuerst als Die kleine Köchin bei Stoffel & Wachter in Lindau, später mit dem Untertitel Kochbüchlein zu kleinen Kochöfen.


Für die vierte Auflage, 1892, nun ebenfalls von Raw in Nürnberg herausgegeben, bei dem auch das Puppenkochbuch von Julie Bimbach erschien, wurde es umbenannt in Nürnberger Puppen-Kochbuch. Herausgegeben von Tante Betty.

Unter diesem Namen wuchs der Erfolg des Buches ganz erheblich an: Es erschien bis 1914 in 16 Auflagen.


Dass der Nürnberger Verleger Raw gleich zwei Puppenkochbücher, noch dazu die beiden ersten Bücher dieser Gattung überhaupt, verlegte, hängt vermutlich mit der in Nürnberg ansässigen Spielzeugindustrie zusammen. Dort wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch Puppenherde, kleine funktionsfähige Kochherde für Kinder, produziert, für die die Puppenkochbücher eine willkommene Ergänzung darstellten. Man denkt dabei unwillkürlich auch an die Firma Märklin.


Christine Charlotte Riedel über das Puppenkochbuch:

Da es seit einigen Jahren immer mehr üblich geworden ist, daß Eltern ihre Mädchen zu Weihnachten mit eingerichteten Küchen samt Kochherden bescheren, so mangelte doch bisher noch das Kochbüchlein dazu. ich habe nun hiemit gegenwärtiges Kochbüchlein verfaßt, in der Absicht und zu dem Zwecke, daß die Mädchen nach Anleitung desselben im Stande sind, von ihren Küchen und Kochherden Gebrauch zu machen“.[2]


Zu den Rezepten im Puppenkochbuch gehörten Wirsich-Gemüslein, Geröstetes Leberlein, Fleischpölsterlein, Pfannenküchlein mit Äpfeln, Gogelhöpflein und Anis-Brezelein.

Das Buch enthält 47 Rezepte, die auf sehr kleine Mengen reduziert sind und sich mit einfachsten Küchenutensilien zubereiten lassen. Im Inhaltsverzeichnis sind beispielsweise auch noch aufgeführt: Omlettchen, Zitronen-Creme, Apfel-Müschen, Wäffelein, Kaffee, Thee, Glühwein, Bettelmännlein, Erdäpfel-Salat.

Spätere Ausgaben Bearbeiten

  • Stettner auch: Verlag der Rathaus-Buchhandlung
  • Lindauer Kochbuch. Johann Thomas Stettner, Lindau, 1852. (15 Auflagen bis 1925, mehrere Nachdrucke 1948, 1979, 1980, 1995)
    • Riedl, Christine Charlotte: Grossmutters Kochbuch : 2165 Rezepte. Faks.-Dr. nach e. Original 1894
  • Lindau : Antiqua-Verlag 1980, 1984. 763, VIII S. : Ill. 20,5*12,5 cm. Pappband. EAN: 9783882100525 (ISBN: 3882100524), Titel: Lindauer Kochbuch für den Süddeutschen Familientisch.
  • Die kleine Köchin. Stoffel & Wachter, Lindau 1854. (16 Auflagen bis 1914, ab der 4. Auflage bei Raw, Nürnberg, Nachdruck Lindau 1946)
Der Holzschnitt auf dem gelben Einband zeigt zwei Mädchen mit Puppenküche und Puppenherd und nennt groß Lindau.

Literatur Bearbeiten

  • Eckehard und Walter Methler: Von Henriette Davidis bis Erna Horn. Evangelische Kirchengemeinde Volmarstein-Oberwengern, Wetter/Ruhr 2001, ISBN 3-9810130-4-2 (Veröffentlichungen des Henriette-Davidis-Museums. Band 9; Mit einer erschöpfenden Bibliographie)

Weblinks Bearbeiten

Anmerkungen und Nachweise Bearbeiten

  1. Stadtarchiv Lindau, nach Stadtarchivar Heiner Stauder
  2. zit. nach Methler/Methler, S. 597
  • Grundlagen des Artikels aus: Wikipedia, Stand vom April 2018
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